Erinnerungsstücke zum Anziehen: Hemd’s up

Es gibt da ein bestimmtes Hemd, das ich an Opa immer sehr gerne gesehen habe.

Er ist schon vor einiger Zeit von uns gegangen … aber wie wäre es, wenn ich dieses Hemd als Bluse weitertragen und so sein Andenken bewahren könnte? – Hemd’s up machts möglich. Und die Gründerin Sandra Schimmele hat die Phantasie, die Liebe und das Know-how, Kleidungsstücke, die wir mit einer geliebten Person verbinden, zu bewahren und weiterhin wertzuschätzen, indem sie diese für ihre Kunden tragbar macht. In Sandras Atelier in Henningsdorf haben wir uns lebhaft darüber ausgetauscht, wie unser Tun Angehörigen helfen kann.

Liebe Sabine Deschauer,
was dürfen wir uns unter „Beseelte Momente“ genau vorstellen?

Wenn ein Mensch, der uns etwas bedeutet, verstirbt, ist es uns ein Bedürfnis uns zu verabschieden. Wir wollen für den Abschied eine passende Form finden – eine Form, die stimmig ist für uns. Das kann man mit mir mit einem individuell gestalteten Ritual machen. Ich begleite die Menschen, die zu mir kommen, dabei, ihr Ritual zu gestalten und führe das Ritual dann bei der Trauerfeier durch. Durch die gemeinsame Auseinandersetzung helfe ich ihnen den Abschied zu gestalten. Und durch das gemeinsame Tun entsteht dann Verbundenheit mit den anwesenden Gästen und die Beziehung zum Verstorbenen wird nochmal spürbar. Das ist für mich ein beseelter Moment. Ein Moment, indem wir von Herzen dabei sind.

Was war für Sie der Anstoß diese Leistung anzubieten?

Ich habe ursprünglich bei Hochzeiten bemerkt, dass mir etwas fehlt, wenn es kein Ritual gibt. Keine gemeinsame Tradition und kein gemeinsames Tun. Und später habe ich bemerkt, wie gut es tut, auch in der Trauer aktiv zu werden: eine Kerze der Dankbarkeit zu entzünden; einen Stein abzulegen, für das, was schwierig war in der Beziehung; Bänder zu zerschneiden und ein Ende mit nach Hause zu nehmen; eine Ahnenkerze für die Jahrestage des Verstorbenen zu etablieren, von ihm zu erzählen und ihn so nochmal in die Mitte zu nehmen; gemeinsam den Sarg zu bemalen oder die Urne zu gestalten. So können wir der Trauer den Platz geben, den sie gerade braucht. Das tut einfach gut.

Was erwarten die Menschen, die zu Ihnen kommen und wie darf man sich diese Rituale vorstellen?

Die Menschen, die zu mir kommen, wünschen sich eine Feier, in der das Leben des Verstorbenen nochmal gewürdigt wird. Sie wünschen sich eine Feier in der sie auch ihre eigene Beziehung zur Verstorbenen zum Ausdruck bringen können. Mit Musik, mit eigenen Texten oder indem sie nach vorne zum Sarg gehen und ein stilles Gespräch mit der Verstorbenen führen. Indem sie nochmal verschiedene Erlebnisse mit dem Verstorbenen erinnern und spüren, wo Dankbarkeit und Erfüllung sind. Andererseits möchten sie vielleicht etwas beim Verstorbenen zurückzulassen, symbolisch zum Beispiel mit einem Stein, für das was nicht rund werden wollte. So können sie sich davon entlasten, das im eigenen Leben weiterzutragen.

Mit welchen Themen kommen die Menschen noch auf Sie zu?

Menschen kommen auch zu mir, wenn sie heiraten möchten, eine Willkommensfeier machen möchten, nicht nur wenn sie ein Kind bekommen haben, sondern gerade auch wenn es adoptiert oder angenommen wurde. Auch Patchworkfamilien nutzen Rituale gerne, um ihre neue Gemeinschaft zu würdigen und zu feiern. Es hilft, jedem seinen Platz zu finden. Auf meiner Webseite finden sich noch mehr Anregungen für Rituale. Auch zu anderen Übergängen im Leben, wie in den Ruhestand gehen, den Job verlieren, sich trennen oder scheiden lassen.

Das Interview im Original finden Sie auf Webseite von Hemd’s up. Hier können Sie auch mehr über die Arbeit von Hemd’s Up und den Erinnerungsstücken erfahren.

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