Sie mussten einen Menschen, den Sie gern haben aufgrund der Kontaktbeschränkungen im kleinsten Kreis beisetzen? Es war nicht so, wie Sie das für sich gebraucht hätten? Nicht die ganze Familie, der Freundeskreis konnte dabei sein? Und nun spüren Sie: es braucht noch was, damit die Trauer einen Platz findet. Wir brauchen noch ein miteinander Abschied nehmen? Dabei kann Ihnen ein individuelle gestaltetes Abschiedsrituale zu jeder Zeit und an jedem Ort helfen. Ich stelle Ihnen im Folgenden einige Möglichkeiten vor, um Ihre Vorstellungskraft anzuregen. Gerade auch, wenn die/der Verstorbene schon zu einer anderen Zeit beigesetzt werden musste.

Wonach sehnen Sie sich?

Wir trauern alle unterschiedlich. Und doch verbindet uns der Wunsch, uns angemessen zu verabschieden, den Verstorbenen nochmals in unsere Mitte zu nehmen. Sein bzw. ihr ganzes Leben zu würdigen. Nicht nur das Ende. Das ehrt den verstorbenen Menschen und tut nicht zuletzt uns gut. Wir können unserer Trauer Raum geben, sie spüren, damit sein. Und nach und nach merken wir, wir sind noch hier. Zusammen mit den anderen Gästen, die gekommen sind. Und auch denen, mit denen wir uns im Herzen verbunden fühlen. Ob nah oder fern. Ob schon verstorben oder noch ganz hier.

Ort und Zeit können frei gewählt werden

In der Vorbereitung zu einem individuellen Ritual finden Sie zunächst den passenden Ort und die passende Zeit für die nachgeholte Abschiedsfeier. Ob das Ihr Garten ist, am Grab, an einem Fluss, auf einer Waldlichtung, bei Ihnen zuhause oder in einer Gaststätte. Sobald die Kontaktbeschränkungen es zulassen, vermutlich im Frühjahr, wenn wir wieder im Freien feiern können, finden Sie den Ort, an dem es möglich ist, zusammenzukommen. Mit allen, die das möchten. Allen, die zum Lebenskreis des Verstorbenen gehören. Wie lange Sie zusammen bleiben ist Ihnen freigestellt, Sie sind nicht an die Zeiten in einer Friedhofskapelle gebunden, wenn Sie sich z.B. für eine Feier am Grab entscheiden.

Drei Anregungen

Lebensgeschichte

Sie bitten jeden Gast, ein Foto oder einen kleinen symbolischen Gegenstand mitzubringen. Sie stellen sich zusammen und jede legt ihr Foto am Foto oder am Grab des Verstorbenen ab. Wer mag, erzählt dazu in ein paar Sätzen die Begebenheit oder die Gedanken zu Foto oder Symbol. Warum haben Sie dies Bild, diesen Gegenstand gewählt. Was verbinden Sie damit und mit dem verstorbenen Menschen. So entsteht ein Panorama aus Konkretem und aus Geschichten und Erinnerungen. Ein buntes Bild vom Leben und Ihrem gemeinsamen Weg entsteht. Das Sie stärken und begleiten wird.

Ein Bild aus buntem Sand

Sie halten farbigen Sand in Schalen bereit und eine große Malerfolie. Mit einem Seil legen Sie darauf eine Spirale, einen Kreis, einen Baum oder ein anderes Symbol, dass Sie mögen. Nach und nach nimmt jeder der mag eine Handvoll Sand und streut damit ein Stück des Symbols aus. Solange, bis keine mehr den Impuls dazu hat oder das Bild fertig ist. So entsteht ein buntes Bild, das gleichzeitig die Buntheit und Vielfalt des Lebens und die Vergänglichkeit unseres Seins symbolisiert. Es gibt Ihnen Raum, Zeit und Ort für Ihre Trauer und erinnert sie auch an Ihre eigene Vergänglichkeit. Nehmen Sie sich Zeit, das Bild in Ruhe und Stille zu betrachten, auf sich wirken zu lassen. Wenn Sie mögen, sagt anschließend jede ein paar Sätze zu ihren Eindrücken und Gefühlen. Sie lösen das Bild anschließend auf, indem Sie gemeinsam die Folie anfassen und das Bild wieder zu einem Haufen Sand zusammenlaufen lassen. Den Sand streut einer von Ihnen in einen Fluss, oder Sie machen dies gemeinsam mit einigen Freunden. So erinnern Sie sich daran, dass unser aller Leben im Fluss, in steter Bewegung ist und so auch die Trauer und der Schmerz nicht ewig sind, sondern weiterfließen. Dieses Ritual ist eine besonders kraftvolle Einladung zu Trauern und die Trauer anschließend weiterziehen zu lassen. Vielleicht passt das besonders gut zu Ihnen und Ihren Lieben?

Gemeinsam kochen und essen

Das nachgeholte Abschiedsessen. Sie verabreden sich, um gemeinsam zum Beispiel ein Lieblingsgericht der Verstorbenen zuzubereiten und zu essen. Für meine Cousine, die mit 25 im Ausland verstorben ist, haben wir uns am ersten Geburtstag nach ihrem Tod getroffen und gemeinsam Sushi gerollt. Sie liebte es mit ihren Freundinnen Sushi zu rollen. Und wir haben uns nun auch daran versucht. Zu Beginn haben wir eine Runde gemacht, mit Erinnerungen an sie. Mit der Zeit wurden die Gespräche leichter und fröhlicher und beim Essen fühlten wir uns wieder mitten im Leben und doch sehr mit ihr verbunden. Das tat gut. Und schafft noch heute Gemeinschaft, wenn wir darüber sprechen.

Einladung

Spüren Sie nach, was Ihnen gut tut und was zu Ihnen und Ihrer Trauer passt. Trauern Sie mutig und beherzt. Und finden Sie so zu einem neuen Miteinander im Herzen verbunden mit Ihrer Verstorbenen und ganz im Diesseits verbunden mit Freunden und Familie.

Dr. Katharina Mahn
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